= 21 85 unſerer Verehrung. Iſt er in unſerer Naͤhe, ſo eilt die Zeit auf Fluͤgeln dahin, erwarten wir ihn, ſo zaͤhlen wir die Minuten, iſt er abweſend, ſo denken wir nur an ihn, und wollen errathen, wo⸗ mit er ſich beſchaͤftigt. Ein volles Herz kennt keine Langeweile. Ja, und verurſacht uns unſere Liebe
auch Schmerzen, ſo ſind dieſe mit einem unend⸗
lichen Reiz verbunden, den man um keinen Preis
mit dem Gleichmuth vertauſchen moͤchte; nein, gnaͤdige Frau, wenn man wahrhaft liebt und wie⸗ der geliebt iſt, ſo kann man niemals ganz un⸗ gluͤcklich ſein. Ach! Sie koͤnnen das nicht begrei⸗ ſen, denn Ihre Seele iſt kalt, gefuhllos.
Und doch war Erneſtine in dieſem Augenllick weder kalt noch gefuͤhllos; ſie war bewegt, erweicht; ſie hatte Muͤhe, ihre Verwirrung zu verbergen. Vietor bemerkte es wohl, aber er war ſchlau ge⸗ nug, dies nicht blicken zu laſſen. Endlich macht Frau v. Noirmont eine Bewegung, um aufzuſte⸗ hen, Wictor aber hält ſie zuruͤck:


