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Frau v. Noirmont ſieht die Traurigkeit Vi⸗ etor's, aber laͤßt ſich nichts merken. Magdalene glaubt die Urſache ſeiner Melancholie zu kennen, und betrachtet ihn oft mit Zaͤrtlichkeit, aber Victor verſteht ihre Blicke nicht, und beachtet weder ihre Verlegenheit, noch die Roͤthe ihrer Wangen, wenn ſie in ſeiner Naͤhe iſt; er hoͤrt ihre Seufzer nicht, und ſieht ſie kaum im Garten, wenn er nach Er⸗ neſtinen darin ſucht.
Die gnaͤdige Frau lieben die Spaziergaͤnge im Garten nicht mehr? redet Vietor ſie eines Abends
an.— Ei, ich bitte recht ſehr, ſind wir nicht alle
Abende im Garten?— O ja! in großer Geſell⸗ ſchaft.... das iſt freilich ſehr angenehm.... und Morgens beſuchen Sie ihn ja gar nicht mehr? — Ich habe zu wenig Zeit..— Sonſt fehlte es doch daran nicht!
Erneſtine erwiedert nichts weiter darauf, und blickt unverwandt auf ihre Arbeit.
Dieſe Arbeit ſcheint Sie ſehr zu beſchaͤftigen,


