Teil eines Werkes 
3. Band (1846)
Entstehung
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Ich habe es der mächtigen Zeit überlaſſen, Ihr verwundetes Herz zu heilen und Ihre Seele den ſchmerz⸗ lichen Verluſt vergeſſen zu machen, den Sie erlitten.

Jetzt erſt, nach fünf langen Jahren des Schwei⸗ gens und der Ergebung, wage ich es, Ihnen, Jo⸗ hanna, zu wiederholen, daß ich Sie ſeit meiner Ju⸗ gend liebe und theile Ihnen mit, daß der General von jener Armee Italien's, deren bewunderungswür⸗ dige Siege die Augen der Welt auf ſich richtet, und auf deſſen hohes Talent die Beſten unſerer Nation ihre Hoffnungen gründen, mich ehrenvoll ausgezeich⸗ net hat. Dem Siebengeſtirn der Tapfern angehörend, deſſen leuchtende Sonne er iſt, hat der General Bo⸗ naparte ſeine Blicke auf mich geworfen und mich ſei⸗ ner Achtung und Freundſchaft würdig befunden.

Aber was iſt Ihnen, hohe und edle Frau, dieſer eitle Glanz; Sie haben das Recht, ihn zu verachten, theuer erkauft, und um Sie zu rühren will ich meine Zuflucht zur Schilderung meiner Leiden und meines Schmerzes nehmen, die mir das Leben verbittert haben.

Sie erinnern ſich, Johanna, der Tage unſerer fried⸗ lichen Kindheit und innigen Verſchwiſterung; Sie haben gewiß nicht vergeſſen, mit welcher Freundſchaft wir uns damals zugethan waren und wie lebhaften Antheil ich an Ihren Freuden und Leiden nahm. Sie wiſſen auch, welcher unglückliche Zufall dieſer hohen Glückſeligkeit ein jähes Ende ſchuf, und ich will der Thränen und Qualen nicht gedenken, die än ſchlaf⸗ loſen Nächten an dem Marke meines Lebens nagten!

Verzeihen Sie mir, Johanna, wenn ich dieſe ſchmerzlichen und dennoch ſo ſüßen Erinnerungen auf's Neue erwecke, denn ſie geben mir heute, wenn auch nicht Anſprüche auf Ihre Freundſchaft, doch wenig⸗ ſtens auf Ihr Mitleiden.

In einigen Tagen geht eine auserleſene Armee zu Toulon unter Segel; mein Rang und die Freund⸗