Teil eines Werkes 
3. Band (1846)
Entstehung
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Der Verwundete ſchien in einer tiefen Ohnmacht zu liegen. Weder die Liebkoſungen und Thränen der knieenden Frau, noch ihr Klageruf vermogten ihn aus ſeiner unglücklichen Lethargie zu wecken.

Schon überzog Todesbl äſſe ſein Geſicht und nur convulſiviſch öffneten ſich ſeine vom Todeskampfe zuſammengepreßten zurſchen Lippen.

Henry, mein Henrh, komm zu Dir! rief die arme Frau in höchſter Verzweiflung.Ich bin es, Deine Johanna, die Dich ſo zärtlich liebt!

Der Verwundete rührte ſich nicht.

O mein Gott! Mein Gott, er hört mich nicht mehr Henry! Mein Henry! Was ſoll ich nun beginnen? Wonmit ſoll ich ihm helfen? es iſt hier nichts vorhanden, ſprach die Unglückliche, indem ſie den verzweifelten Blick rings durch das Zimmer ſchweifen ließ.Kein Stückchen Leinwand, nicht ein⸗ mal etwas Waſſer iſt zu haben, und Henry muß ohne Hülfe hier ſterben!

Jetzt riß ſie das Tuch ab, das ihren zarten, wei⸗ ßen Hals bedeckte, verband die Stirn des Sterbenden damit, ſtürzte dann an das Fenſter und ſchrie mit dem Ausdrucke der höchſten Angſt auf die Straße hinaus:

Zu Hülfe! Zu Hülfe! Zu Hülfe!

Auf dieſes Rufen kamen von Wein und Blut trunkene Soldaten herbei, die eben im Begriffe ſtanden, ein benachbartes Haus zu plündern, und zeigten mit