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und ich würde unrecht thun, wenn ich ſagen wollte, daß dies junge Mädchen mich verrathen hat; aber meinem Herzen iſt es dafſelbe. ½
Ich habe mich an den Gedanken gewöhnt, daß ſie anſtändig und beſcheiden iſt, ich habe ſie ſogar angebetet, und indem ich ſie jetzt als die Geliebte eines Andern ſehe, finde ich mich in den Gedanken, die mich beſeelen, getäuſcht, und wenn man ſich auch nur in Gedanken getäuſcht fühlt, iſt man doch be⸗ trübt.
Sechs Wochen ſind verfloſſen, und ich habe we⸗ der Fournichon noch Roſa wiedergeſehen. Ich biete alles nur Erdenkliche auf, um die hübſche Laden⸗ mamſell zu vergeſſen; aber es gelingt mir nicht.
Iſt eine ſolche Beharrlichkeit für eine Frau, die man kaum kennt, nicht etwas Seltenes? Wie oft fehlt ſie bei ſolchen, die man genau kennt.
Von Roſa höre ich nichts, dafür aber deſto häufiger von Madame Chamvuillé. Sie wendet ganz beſondere Mittel an, ſich in meinem Andenken zu erhalten. Dieſe Mittel beſtehen in anonymen Briefen, die Dummheiten, Grobheiten, ſogar Be⸗ leidigungen enthalten. Wenn ſolchen Briefen auch die Unterſchrift fehlt, man erräth dennoch den Ver⸗ faſſer; es iſt irgend eine Phraſe darin, die ihn leicht zu erkennen giebt; und aus den Briefen, die ich em⸗ pfange, ſpricht die Wuth verſchmähter Liebe.
Grobheiten, die durch anonyme Briefe mir zu⸗ gefügt werden, beleidigen mich nicht, ich muß ſogar


