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„Das iſt ihre Pflicht,“ antwortete ich durch die Naſe, um mir ein gelehrtes Anſehen zu geben.„Fah⸗ ren Sie fort, Madame, enthüllen Sie ſich ganz und geniren Sie ſich durchaus nicht.“
„Nun, Doktor, ich bin nur vor Liebe krank. Die Liebe iſt es, die an mir nagt, mich verzehrt— mich tödtet!“
„Wie,“ antwortete ich,„ſollte Ihr Gatte ſo ausſchweifend ſein? Sollte er flüchtig umherirren, während er eine ſo liebenswürdige Gattin beſitzt?
„Sie giebt ihre Ungeduld zu erkennen und fährt fort:
„Es iſt hier nicht von Herrn Chamouillé die Rede, der iſt ein Mann, der meine Liebe nicht ver⸗ dient. Ich habe ihm fünfzigtauſend Franes als Mit⸗ gift zugebracht, und noch iſt er, was er ſchon vor achtzehn Jahren war, ein gewöhnlicher Secretair! Es hat ſich meiner eine Leidenſchaft für ihren Freund, Herrn Bergeval, bemächtigt— das iſt nicht recht— aber ich bin ſehr empfindſam—“
„Madame,“ antworte ich, indem ich ihrem Divan näher rücke,„die Leidenſchaft iſt eine Schwachheit, und die Schwachheiten liegen in der Natur, denn jeder Menſch hat mehr oder weniger! Fangen wir bei unſerer erſten Mutter an, die war ſchwach mit der Schlange; haben wir nicht Betſaba, die ſchwach mit dem heiligen König David, und Abraham, der ſchwach mit ſeinen Mägden war? Maria Stuart, Eliſabeth, Catharine von Rußland, alle dieſe Köni⸗


