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anzuſehen. Weil er vor ihr ſitzt, iſt ihm dies weniger bequem, als mir. Das Ende davon wird ſein, daß er einen ſteifen Hals bekommt.
Ah glücklicherweiſe richtet er ſeine Lorgnette auf die Dame, welche vor ihm ſitzt— er ſcheint Ge⸗ ſchmack an ihr zu finden, folglich muß die Dame ſchön ſein.— Im Zwiſchenaet will ich mich davon überzeugen.
Das Stück, was man ſpielt, gewährt einen Blick in das Innere der ſchlechten Hauswirthſchaft eines Handwerkers. Ich höre mit Vergnügen mehrere Scenen an, die viel Wahrheit enthalten. Mit einem Male ſagt der Schauſpieler, der den Ehemann dar⸗ ſtellt, mit Ungeſtüm zu ſeiner Frau:
„Gieb mir meinen Ueberrock, ich will ausgehen;
und vor allen Dingen raiſonire nicht!“
Gleich darauf höre ich hinter mir im Parterre den Dialog mit vielem Feuer fortſetzen und zwar von einer Frau in einer Mütze und von einem Manne in Blouſe und Kaskett.
Die Frau ſpricht:
„Das iſt ſtark! Ich will nicht! Dieſe Scene laſſe ich nicht gelten.“
„Im Gegentheil, ich finde, daß die Stene ſehr gut iſt; der Dichter, der ſie geſchrieben, iſt nicht dumm. Bravo, das Stück iſt gut!“
„Nein! Nein! Nein! Ich will nicht, daß ein
—
Mann ſo ſpreche— ſpricht ein Mann ſo mit ſeiner
Frau? Scheuſal von Mann!


