Teil eines Werkes 
3. Band (1870)
Entstehung
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einen Brief ihres Oheims erhalten

Snicht unbillig zu ſein. Oder glauben Sie, das der Graf Iſſelhorſt einer unwürdigen Sache ſeinen Degen leihen würde?

Reinhold kämpft für ſein Vaterland, das iſt ſeine Pflicht, verſetzte Rafael, ich aber hoffe mehr zu thun, indem ich Frankreich meinen Arm anbiete, denn mir ſcheint es edel, dem Unterliegenden

beizuſtehen.

Helene drang nicht länger in ihn. Zwar zitterte ſie für ſeine immer noch ſchwache Geſundheit, ſie zitterte noch mehr, wenn ſie dachte, daß Reinhold, ihr Seliebter, vielleicht durch die Hand ihres Freundes ſterben ſollte. Ihr Herz war wie zerriſſen. Sie wünſchte den Franzoſen den Sieg und hätte doch um keinen Preis den jungen Grafen in Gefangenſchaft, verwundet oder todt ge⸗ wußt, ſie betete für Reinhold und rechnete es ſichfaſt für Sünde an, denn es war ja der Feind Frankreichs, deſſen Leben ihr ſo lieb war.

Mit Iduna wagte ſie nicht von ihren Sorgen zu ſprechen, hatte dieſe doch deren ſelber genug. Iduna war noch ſchwach von ihrer Krankheit. Dieſe hatte zum Glück die ſanfte Schönheit ihres Geſichts nicht zerſtört nur hier und da zeigte fich ein kleines Grübchen in der Haut, und dieſe war noch fleckig von dem Aus⸗

ſchlag, der nur langſam verſchwand. Beſſer wäre es für ſie ge⸗ weſen, wenn ſie in einen ruhigen Aufenthalt gekommen wäre, aber ſie wollte Paris nicht verlaſſen, weil immer noch die freilich fehr ſchwache Hoffnung in ihr lebte, daß ihre Söhne zu ihr zurück⸗ kehren möchten. Rur Helene wußte, daß dieſe Hoffnung eitel war, doch wollte ſie ſie nicht gänzlich zerſtören. gelene hatte

WMein geliebtes Kind, ſchrieb er ihr, ich habe nach dem einzigen Mittel geſucht, die unglückliche Iduna zu verſöhnen, ach, und mein Suchen war vergeblich! Ich habe kein⸗Weib, keine Söhne mehr, ich habe nur noch ein mit Schmach bedecktes Leben, das mir zur Laſt iſt. Dem Vaterlande will ich es weihen, ich kämpfe für Frankreich, ſei es Kaiſerreich, ſei es Republik, es wird mich durch einen ehrenvollen Tod für meine Mühen beloh⸗ nen. Lebe wohl, Helene, und wenn Du es vermagſt, vergieb es mir, aber weine nicht, wenn Du von meinem Ende vernimmſt,

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