Teil eines Werkes 
2. Band (1870)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

————

5——

—

——

——

verſtummte, wenn ſie dazu kam uud ⸗ Alle in ihr ein höheres Weſen erkannten.

Als echtes Berliner Kind hatte er ſch zwar gewöhnt, ſo ziem⸗ lich Alles zu bezweifeln und an nichts zu glauben, was nicht grade in der Bibel ſtand, und war ſonſt ziemlich leicht mit den be⸗ liebten Redensarten bei der Hand, mit denen ſich ſeine Landsleute in jeder Lage zu helfen wiſſen, doch wenn Maria Fiſcher ihn ein⸗ mal verweiſend oder, wie jetzt eben, bittend anſah, dann half es ihm nichts, daß er ſich ſelber zurief: Bangemachen gilt nicht, und wie ſie ihn jetzt bat, die Fragen nach den Eltern der Kinder zu unterlaſſen, da dachte er wohl: dies Alles iſt mir Schnuppe, aber er verſtummte darnach und verſparte ſich die Forſchungen auf ein anderes Mal.

Mit feinem weiblichen Gefühle hatte Gabriele die Herkunft der beiden Knaben errathen. Nud wenige Male zwar hatte ſie dieſelben in Geſellſchaft des Prinzen Lülu geſehen, aber ihre Züge hatte ſie nicht vergeſſen und auch nicht das, was ihr über Iduna erzählt worden war. Jetzt ſehnte ſich ſich danach, mit Richard von ihrem Sohne reden zu können, aber zugleich beſchäf⸗ tigte ſie ein anderer Gedanke.

Der Mann, der ihrem geliebten Gatten ſo wunderbar ähnlich ſah, ſtand im Verkehr mit Margot, jenem ſcheußlichen Weibe, wel⸗ ches ſie bei Wörth mit ihrer Tochter hatte reden hören. Was ſie damals von ihr vernommen hatte, beſtätigte ihr nicht nur, daß Arthur und Richard, die Sohne des Herzogs von Montalto, ihren Eltern geraubt ſeien, ſie wußte auch, daß Margot ein entſetzliches Geſchäft, den Leichenraub, brieb.

Und mit dieſem widerwärtigen alten Weibe ſtand jener Mann in Verbindung, für den ſie ſo viel Intereſſe hegte! Sie ſchau⸗ derte bei dem Gedanken, daß er, der die geliebten Züge ihres Alphons trug, ſich zu ſo verwerflichem Geldverdienſte herzugeben vermochte. Jetzt da Wilhelm Friſchmuth etwas ärgerlich aufſtand, denn die Zeit war um, in welcher er Arthurs Stirn zu kühlen hatte, jetzt glaubte ſie, ihn verſöhnen zu müſſen, denn ſie meinte, ſie hätte ihn gekränkt, indem ſie ſeiner Neugierde Einhalt gebot. So trat ſie mit ihm vor das Zelt hinaus, in welchem die Schwer⸗