Teil eines Werkes 
1. Band (1870)
Entstehung
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hinter Pferde in Sicht,

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weit entfernt ein klägliches Stöhnen, dann ein leiſes Bitten oder Beten und wiederum den tiefſchmerzlichen Klagelaut.

Ach Gott, ſagte ſie, trage ich denn umſonſt das heilige Kreuz in weißem Felde, habe ich es nicht geſchworen, allen Lei⸗ denen beizuſtehen und liege hier, zu ſchwach, um auch nur einen Finger zu rühren?

Wieder drang der Angſtruf an ihr Ohr. Nein, das war kein verendendes Thier, wie ſie anfangs geglaubt hatte, das waren Menſchenſtimmen, Unglückliche die ein Anrecht auf ihr Mitleid und ihre Hülfe hatten.

Jetzt fiel ihr auch ein, daß ſie den Tag über nicht einmal Zeit gehabt hatte zu eſſen. Sie faßte in ihre Taſche und fand das Brot, welches ſie zu ſich geſteckt hatte, als ein Sterbender ſie zu ſich rief. Ganz erfüllt von dem Anblick des Jammers, der in dem Lazarethe herrſchte, hatte ſie das Eſſen vergeſſen. Jetzt brach ſie ein Stück von dem Brote ab, verzehrte es ſchnell und fühlte ſich dann etwas gekräftigt, ſo daß ſie es nun ver⸗ mochte, aufzuſtehen. Dann ſchlich ſie dem Stönen nach, das im⸗ mer matter klang.

Wer iſt hier? fragte ſie mit ihrer ſanften Stimme.

Ach, Hilfe, Hilfe, mein Bruder ſtirbt! rief es ihr zu. Sie tappte ſich durch die dunklen Bäume bis zu einer lichten Stelle, dort fand ſie zwei menſchliche Weſen, Knaben oder junge Männer, wie es ſchien. Der Eine hielt den anderen umſchlun⸗ gen und weinte.

Seid ihr verwundet? fragte das Weib.

O nein, verwundet nicht, aber wir ſterben vor Hunger,

ach, mein armer Bruder!

Die Frau griff in die Taſche und gab dem Leidenden den Reſt ihres Brotes.

Da nimm, ſagte ſie, das wird Dich ſtärken.

Der Knabe mit Heißhunger, doch plötzlich hielt er inne.

Du auch Richard, ſagte er.

Rein, nein, verſetzte dieſer ablehnend, behalt es nur allein, ich kann ſchon noch warten, es iſt nicht mehr lange bis zum Morgen, es muß ja ſchon Mitternacht ſein.