Er kam zum ſchattenden Part am Schloß, und band ſein Roß
An eine der duſtenden Linden.
Er ſchlich zu dem heimlichen Pförtchen hinein
Und wähnt' im dämmernden Kämmerlein
Süß trämend ſein Liebchen zu finden.
Doch als er leiſe vor's Vettchen kam, O weh! da nahm Der Schrecken ihm alle fünſ Sinnen. Die Kammer war öde, das Vette war kalt.— „D wehe! Wer ſtahl mir mit Räubergewalt So ſchändlich mein Kleinod von hinnen?“—
Der Marſchall ſtürmte mit raſchem Lauf Treppab, treppauf, Und ſtürmte von Zimmer zu Zimmer. Er rufte; kein Seelchen erwiederte drauf!— Doch endlich ertönte tief unten herauf Vom Kellergewölb' ein Gewimmer.
Das war des ehrlichen Schloßvogts Ton. Aus Schuld entflohn War alle ſein falſches Geſinde. „D Henne, wer hat dich herunter gezerrt? Wer hat ſo vermeſſen hier ein dich geſperrt? Wer? Sag mir geſchwinde, geſchwinde!“—
„O Herr, die ſchändlichſte Frevelthat Iſt durch Verrath Dem Junker vom Steine gelungen. Er raubte das Fräulein bei ſicherer Ruh, Und eure zwey wackeren Hunde dazu Sind mit dem Perräther entſprungen.“


