45²
An Demviſelle Slevvigt,
bei ihrer Verheirathung mit Berrn Dr. Sturm, von einer muͤtterlichen
und fuͤnf ſchweſterlichen Freundinnen.
Zieh', holde Braut, mit unſerm Segen, Zieh' hin auf Hymens Blumenwegen! Wir ſahen mit entzuͤcktem Blick Der Seele Anmuth ſich entfalten, Die jungen Reize ſich geſtalten Und bluͤhen fuͤr der Liebe Gluͤck. Dein ſchoͤnes Los, du haſt's gefunden: Es weicht die Freundſchaft ohne Schmerz Dem ſuͤßen Gott, der dich gebunden; Er will, er hat dein ganzes Herz.
Zu theuren Pflichten, zarten Sorgen, Dem jungen Buſen noch verborgen, Ruft dich des Kranzes ernſte Zier. Der Kindheit taͤndelnde Gefuͤhle, Der freien Ingend fluͤcht'ge Spiele, Sie bleiben fliehend hinter dir, Und Hymens ernſte Feſſel bindet, Wo Amor leicht und flatternd huͤpft; Doch fuͤr ein Herz, das ſchon empfindet, Iſt ſie aus Blumen nur geknuͤpft.
Und willſt du das Geheimniß wiſſen, Das immer gruͤn und unzerriſſen Den hochzeitlichen Kranz bewahrt?
—


