13.
Der Rabbi Gideon hatte Bovillae nicht verlaſſen wollen. Die Liebe und Verehrung, welche er in der zwar unwiſſenden, aber die heilige Wiſſenſchaft hochſchätzenden Gemeinde gefunden, die Entfernung vom Treiben der Welt, von den Eiferſüchteleien und Ränken, denen er in Rom begegnet war, bewogen ihn zu dem Entſchluſſe, hier ſeine Tage beenden zu wollen, und ſo weilte auch Mirjam noch daſelbſt. Amnon eilte ſofort dahin, um die lei⸗ densvolle Gattin Potrika's von der glücklichen Löſung des auf ihr ruhenden Bannes zu unterrichten und auf die Ankunft ihres Gat⸗ ten vorzubereiten. Sobald dieſer in aller Eile die nöthige Sorge für die ihm anvertraute Schaar abgethan, folgte er dahin mit der Schnelligkeit, welche ſein gutes Roß ihm geſtattete. Er kommt an, ſteigt ab, ſtürzt in das Haus, ein Ausruf des Glückes tönt von den Lippen Beider— ſie haben ſich wieder, ſie umſchlingen ſich, ihre Herzen ſchlagen wieder an einander, ihre Blicke verſen⸗
ken ſich wieder in einander voll unſäglichen Entzückens... Von
dem Hofe des Caſtells zu Sepphoris bis zu dem kleinen Gemach zu Bovillae ein Schritt, ein Zeitraum— aber welchen In⸗ halts!.... O menſchliches Herz, wer vermöchte Deine Tiefen zu ermeſſen und Deine Höhen zu erſteigen durch das Wort? Nur das ſelbſtempfindende Gefühl dringt bis dahin, wo das Heilig⸗ thum, das göttliche Heiligthum in Dir beginnt— ja, das Hei⸗ ligthum, denn den Sturm des Haſſes und der Sünde vermögen


