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Sanhedrin muß Jeden, der vor dasſelbe tritt, in ſeiner Mutter⸗ ſprache verſtehen können. Aber ſie ſprechen es nicht, weil es eine unreine Sprache iſt, die Sprache unſerer Feinde und Unterdrücker. So ein Wort darf nicht über ihre heiligen Lippen kommen. Die übrigen Mitglieder verſtehen aber alleſammt von den Sprachen keine außer der griechiſchen, die wir Alle ſprechen; verſteht ſich die heilige Sprache der göttlichen Thora ausgenommen. Dieſer junge Patrika iſt der einzige unter ihnen, der römiſch ſpricht, und da mußte man ihm wohl den Vortritt einräumen, um die Anrede an den furcht⸗ baren Feldherrn zu halten, deſſen Einzug wir hier erwarten.“
„Das wundert mich aber ſehr, Hunna, daß Ihr ſo unge⸗ lehrte Männer in Euer Sanhedrin ſetzt, da halten wir es in Safed doch anders, und ſolche junge Männer laſſen wir nun erſt recht nicht hinein.“
„Wie Du's weißt, man ſchnitzt Stäbe eben nur aus einem Holze, das man hat. Leider Gottes! Die Zeiten haben ſich geän⸗ dert. Der frommen und gelehrten Männer werder immer wenigere, und unter der Zuchtruthe Gottes über ſein armes Volk ſterben ſie immer mehr aus. Sind wir doch ſchon froh, wenn wir geſcheidte und rechtliche Bürger finden, die noch etwas vom heiligen Geſetze verſtehen, um ſie in das Sanhedrin zu bringen, mögen ſie Bäcker, Gewürzkrämer oder ſonſt etwas ſein.“
„Wahrhaftig, Du haſt Recht, da ſehe ich ja auch den Bäcker Marcus unter ihnen, der bei meinem Bruder in Safed oft genüg ſeinen Bedarf an Waizen kauft. Er mag freilich von der Gelehr⸗ ſamkeit herzlich wenig verſchluckt haben.“
„Nun, nun, wir haben Gelehrte in der Vorzeit genug gehabt, von großem Anſehn, die nur Schuſter oder Holzhauer waren und doch aus der Quelle der lebendigen Wahrheit geſchöpft hatten. Bei unſerm Volke, weißt Du, macht Geburt und Stand nichts


