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Biſt du das, Land Juda's? Einſt ſo reich an Städten und Flecken, ſo ergiebig an Korn und Moſt, an Oel und Datteln, fließend von Milch und Honig, einſt ſo dicht bevölkert, wie ein Luſtgarten blühend— und jetzt ſo todt und verödet, daß ſelbſt der Löwe und der Bär deine Bezirke fliehen, und nur der Schakal ſein nächtliches Gehäul durch die menſchenleeren Steppen tönen läßt? Und doch biſt du kein Grab; denn deine Kinder leben noch. Du haſt ſie nicht mit deinem Sande und deinen Ruinen ver⸗ ſchüttet, ſondern ſie zogen nur hinaus über alle Meere und Länder und gedenken dein und zeugen von dir. Wie iſt dies alſo ge⸗ kommen?
Ich wußte, wo ich ſtand. Wo das verfallene Caſtell ſeine zerbröckelnden Wände hebt, ſtand einſt die Veſte Sepphoris, und um ſie lagerte rings an allen Seiten des Berges und noch weit in die Ebene hinab die Stadt, die volkreiche und wohlgebaute, die Königin Galiläas, gewerbreich und eine feſte Wehr zugleich. Sie iſt verſchwunden von dem Erdboden; noch lebt ihr Name in dem armſeligen Dorfe da unten. Noch vor wenigen Jahrzehnten blühete es, denn zahlloſe Bienenſchwärme brachten aus den Ebenen und den Haiden ihren Honig dahin, zu lohnendem Ertrage für die Bewohner. Aber die Beherrſcher des Landes ſogen auch das letzte Beſitzthum der Verarmenden aus, und die Räuberhorden der Beduinen zerſchlugen die Bienenſtöcke, und ſo werden nur wenige Jahre noch hinziehen, und auch dieſe Erdhütten werden verſchwun⸗ den ſein. Und doch ruhen auf ihnen die Schatten einer großen Vergangenheit und laſſen dieſen Fleck Erde nicht in dem Gedächt⸗ niß der Menſchen verlöſchen. War es doch hier, wo die Nach⸗ kommen Inda's, als ſchon Jahrhunderte über das zerſtörte Zion hinweggegangen, zum letzten Male das Schwert gegen den grau⸗ ſamen Römer erhoben, wo zum letzten Male das Todesröcheln der


