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Sepphoris und Rom : ein historischer Roman aus dem 4. Jahrhundert
Entstehung
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Geht es mir anders? Und wenn ich freudig bekenne, daß

ſehr wohlgethan, mir die Schwingen gelüftet und ſie von Feſſeln und Gewichten befreit hat, ſo habe ich doch noch immer von meinen Todfeinden, der Lüge, der Fälſchung, dem eingewurzelten Vorurtheil, der Kurzſichtigkeit und dem Urtheilsmangel, und wie ſie alle noch heißen, viel zu leiden und kann mich ihrer kaum erwehren! Die beiden Brü⸗ der reichten ſich die Hände und wondelten eine Strecke Weges neben einander. Aus dieſem ihrem Verſtändniß ent⸗ ſprang der geſchichtliche Roman. Ob ſie hiermit ihrem Leidweſen wirklich abgeholfen, oder es nur gelindert, oder ſich mur neue ſchwache Seiten geſchaffen haben, wollen wir nicht entſcheiden.

Dichtung und Geſchichte widerſprechen ſich ihrem We⸗ ſen nach nur in einigen Punkten, in anderen kommen ſie mit einander überein. In Beiden muß die Wahrheit leben. Die innere Entwickelung muß hier wie dort folgerichtig, im innigſten Zuſammenhang von Urſache und Wirkung, aus naturgemäßen Vorausſetzungen hervorgehend ſein: ſonſt iſt Dichtung wie Geſchichte verfälſcht. Aber die Geſchichte darf mur gegebene Vorausſetzungen reproduziren, die Dich⸗ tung produzirt ſich die Vorausſetzungen ſelbſt; die Geſchichte muß den äußeren Gang, in welchem ſich die Entwickelung

dieſe Neuzeit, die über den jetzigen Menſchen ſteht, mir