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Da löſte er mit Einem Finger meine rechte Hand vom rechten Auge, und bat:„Höre, wenn Du ihn lieb haſt, gieb mir Dein Pferd Schah⸗ roch und Gold— denn meine bezahlte Heerde iſt ſchon auf dem Heimweg— für ein ſolches Pferd löſe ich jeden Mann aus! Gieb! zaudere nicht! Zaudern bei gutem Gange, bringt Scha⸗ den! Ich hinge mich, wenn ich ihn ſchon hängen ſähe, oder ritte mit dem Pferde in's Meer.“
Dem Manne war zu glauben. Wie er mich verachtete, ſo ſehr auch ehrte er ten Freund.
Ich bedachte. Ich gab guten Rath; aber ich gab auch Gold, und ſahe bald darauf meinen Todfeind auf meinem edlen weißen Pferde dahin⸗ fliegen.
Darauf wartete ich Wochen— Monate!— Kein Freund erſchien! Kein weißes Pferd blinkte wieder! Ich hatte Zeit genug, indeß zu betrach⸗ ten, was Ehre der Menſchen in den Landen der Ehre ſei. Und ich ſahe: die Ehre iſt in allerlei Volk ein ſtarkes Gefühl ſeiner ſelbſt, wodurch ſich Jeder für werth hält, ganz und völlig werth zu leben, zu gelten, und da zu ſein! Und Jeder findet an ſeinem Orte, nach ſeines Volkes Sitte und Sittlichkeit, eine vorgeſchriebene Weiſe zu gelten, muß er ſo gelten, wie die Seinen in ihren


