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moͤchte, furchtlos uns daran erinnert und Dringendes ſagt— der iſt unſer Freund. Nur wer uns im Ar⸗ gen will untergehen ſehen, der iſt unſer Feind. Sie aber fuͤhlt Reue. Laß ſie tief in die innere Welt ein⸗ kehren, und dort— ſeit lange— ein wenig ernſt ver⸗ weilen! An Reue ſtirbt Niemand, wenn ſie aͤcht iſt. Denn der Menſch kann nur ſo ſchwer das Mißgethane bereuen, ſo hell er das entgegengeſetzte Rechte und Gute erkennt. Und dieß Gute erhaͤlt ihn lebendig und ſtärkt ihn, bis es ihn ganz und allein durchdringt, und er der wird, der er ſeyn will und wollte, und nur verfehlt, und ſein voriges Unrecht ein vergaͤnglicher und vergangener Traum wird. Und ſo geſchieht ihr jetzt. — Er lachte.—
„Und was hat ſie zu bereuen?“ frug Polydor von ihm zuruͤcktretend,„wenn nicht tauſend Frauen ihr Gefuͤhl theilen ſollen!“
„Eine Ahnung!“ erwiederte Salvator, und lachte lauter, ſo daß er dem Freunde Grauen, Verwun⸗ derung und Zorn erweckte. Dann weinte er hingebeugt, ſo daß Polydor unheimlich zu Muthe ward, und er die Hand auf das Haupt des Freundes legte. Dieſer aber richtete ſich auf, faßte ſich und ſprach: Tauſend Frauen? Die Natur ſchafft ſo ſelten ein Weib aͤcht ſchoͤn, um die Ungluͤcklichen nicht zu vermehren; denn Schoͤnheit und Gluͤck war kaum noch je auf Erden bei⸗ ſammen, denn die beiden ſind wie ein Doppelgaͤnger — Todfeinde! Und ſiehe nur Galate; iſt ſie nicht
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