— 178— Lange hatte die weiße Frau ſich nicht ſehen laſſen,
da ſchwebte ſie, am Todestage ihres Schüßtings war',
tief betruͤbt und langſam, das trauerzeugende Kreuz am Buſen, auf dem offenen Gange, welcher die Aus⸗ ſicht über die reichen Gefilde des Herzogthums dar⸗ both, und auf welchem Anna fraͤherhin ſo oſt mit der Wunderbaren luſtwandelte. Und Viele ſahen ſie, und Alle glaubten, und die Sage von der weitt Frau verbreitete ſich im ganzen Lande.
Bis zum Jahre 1653 waren einzelne Be⸗
merkungen uͤber das Erſcheinen des wunder⸗
baren Weſens fortgeſetzt. Mehrere hatten die
Freude⸗Verkuͤnderin, Viele die unglückspro⸗ phetin geſehen, doch mit di eſem ſchloſſen ſi ſich die Anmerkungen, und nur die Tradition er⸗
hielt das Andenken an die Herumwandelnden. Doch in den verhaͤngnißvollen Jahren 1806
und 1811 ward der Glanbe zur Gewißheit,
denn in der mitternaͤchtlichen Stille und in
der Mittagsſtunde ſahen glaubwürdige Zeugen
die tieftrauernde Ahnenfrau auf dem wohlbe⸗
kannten Gange, ſtill und betruͤbt das ungluͤck⸗
weiſſagende Kreuz auf der Bruſt Mihe chen.


