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moren beſchatteter Weg fuͤhrte bis zu der einſamen Behauſung des Geaͤchteten. Wir holten zwei Frauen ein, die langſamen Schrittes vor uns her giengen. Sie trugen die ſpaniſche Landestracht, die blos aus einem flatternden Schleier und aus einer engen Basquine beſteht. Der Wuchs der einen, der minder ſchlank und leicht war, verrieth ein hoͤheres Alter.„Meine Tochter,“ ſagte ſie zu der andern,„wundere dich nicht daruͤber, daß du ſo ganz verlaſſen biſt. Die Maͤnner, die meiſt entweder unbeſonnen oder treulos ſind, verſtehen blos uns Frauen zu hintergehen. Es iſt ein Ungluͤck fuͤr uns Frauen, daß wir zu lieben im Stande ſind! Auf der ganzen Erde finden wir kein Herz, das unſere Neigung erwiederte, Gott allein verdient unſere Liebe.“
Sie langten mit uns gleichzeitig bei der Einſiede⸗ lei an. Die große Eingangsthuͤr derſelben war ge⸗ oͤffnet. Man ſah am Altar den Einſiedler ſtehen, der uͤber das unerwartete Herbeiſtroͤmen der Bauern aus der Umgegend ganz verwundert war; auf den Stufen des ſchmalen Heiligthumes betete ein Andaluſier und ein junges Maͤdchen aus Navarra, wie man aus den lang herabwallenden Flechten ihres dunkeln Haares leicht abnehmen konnte; ein Baske und eine junge Frau, die neben ihm knieete, zogen die Blicke aller auf ſich, und hinter ihnen ſtand Bartolomev mit ſei⸗ nem ganzen Generalſtabe. Die Landleute aus Ur⸗ dax, die ihre Huͤte mit rothen und gelben Baͤndern geſchmuͤckt hatten, erfuͤllten den Platz vor der Ein⸗
ſiedelei, und konnten ſich nicht genug wundern, daß


