Teil eines Werkes 
Fünfter Band (1825)
Entstehung
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verſchiedenen Gefuhle eines Staatsbuͤrgers, eines Geſetzgebers und eines Soldaten, die in unſeren Her⸗ zen ſich miſchten, dies alles zuſammen erhob unſeren Geiſt auf eine Hoͤhe, die der Menſch unter gewoͤhn⸗ lichen Zeitverhaͤltniſſen kaum ahnden mag. Unſere Empfindungen ſchoͤpften aus der Gefahr und aus der Hoffnung, aus dieſen beiden Quellen alles Gro⸗ ßen und Hohen, das es nur irgend auf Erden giebt, eine neue Kraft und Lebendigkeit.

In Alonſo's Bruſt gaͤhrte eine uneratntt glů⸗ hende und duͤſtre Leidenſchaft; er ſcheute ſich eben ſo ſehr vor der Geſellſchaft, als vor der Einſamkeit. Bisweilen verließ er auf einmal ſeine niedrige Woh⸗ nung, eilte hinaus, und ſuchte am Geſtade, dem unermeßlichen Weltmeer gegenuͤber, die kuͤhlende Seeluft einzuathmen; ein andermal wieder wurden ihm die verſtreichenden Stunden zu einer Ewigkeit, er eilte dann nach dem Kloſter Maria's, ſah ſie in Thraͤnen und durch ihre Verzweiflung verſchoͤnert vor ihrem Kruzifir auf den Knieen liegen, er druͤckte ihr dann die Hand, wollte ſie nach der Urſache ihrer Ge⸗ muͤthsunruhe fragen, und, indem er ſich die Frage ſelber durch einen tiefen Seufzer beantwortete, ſank er gebeugt unter der Laſt ſeiner Herzensangſt nieder, bis die Markiſin erſchrocken herbeieilte, um in ihm eine Kraft zu wecken, die ſie ſelber nicht beſaß.

Mein trauriger Freund vertraute mir ſeinen Kummer; er geſtand mir, daß ihm ein Gedanke ganz dunkel vorſchwebte, an welchem er noch nicht mage ſich feſtzuhalten. Die Hrakelſpruͤche der Gi⸗

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