Teil eines Werkes 
Vierter Band (1825)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

243

von ihrer Liebe. Die Liebe hatte ſich in ihr er⸗ ſchoͤpft, indeß ich fuͤrchtete, daß ihr Haß noch lange nicht ſich erſchoͤpft haben moͤchte. Die ungluͤckliche Graͤfin meinte zu wiſſen, daß die Markiſin als Vor⸗ muͤnderin Aldouza's alles aufboͤte, um in der Seele dieſes Maͤdchens alle Zuneigung und alle Ehrerbie⸗ tung gegen ihre Mutter zu erſticken. Dieſe tiefge⸗ kraͤnkte Mutter troͤſtete ſich mit dem Gedanken, daß in dem Herzen ihrer Feinde etwas wohne, das fuͤr ſie Rache naͤhme. Beide wurden naͤmlich von einer geheimen Glut verzehrt, und die Graͤfin hoffte, daß es ihnen ſtets, ſelbſt nach dem Tode des Markis, unbekannt bleiben wuͤrde, daß ſich zwiſchen ihnen eben keine unuͤberſteigliche und unverletzliche Scheide⸗ wand erhoͤbe.

Ich entſchuldigte gern ihre Heftigkeit durch den Kummer, den ihr muͤtterliches Herz empfinden muß⸗ te. ueberdieß beſchaͤftigten mich andere Sorgen. Meine Freundin erzaͤhlte mir naͤmlich am Schluß ih⸗ rer erſten Unterhaltung, daß ſo eben ein plotzlicher Aufſtand im Innern Andaluſiens das vor Cadix ſte⸗ hende Belagerungsheer im Ruͤcken bedrohe. Die Englaͤnder hatten Truppen ausgeſchifft, mehrere Staͤdte, die ſich laͤngſt unterworfen und den Eid der Treue geleiſtet hatten, hatten wieder die Waffen er⸗ griffen. Die Raͤdelsfuͤhrer waren in die Haͤnde unſerer Soldaten gefallen, und Donna Matea nannte mir ihre Namen; es waren meiſt Maͤnner aus den angeſehenſten Familien Granada's und Sevillas. An der Spitze ſtand der Vater des Don Carlos und

16