Teil eines Werkes 
Dritter Band (1825)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die lange Allee, welche von dem Dorfe Gamo⸗ nal zu der beruͤhmten Stadt hinfuͤhrt, war mit Spa⸗ niern angefuͤllt, die das Gewehr geſtreckt hatten. Ihre Kleidung war zerriſſen, und ihre Geſichter mit Blut und Staub bedeckt. Der Kaiſer zog durch dieſe ſchweigende Menge hindurch; ſie nahmen ihre Huͤte und Muͤtzen ab, und der Kaiſer konnte in ihren Geſichtszuͤgen den Ausdruck einer einmuͤthigen Ehr⸗ furcht leſen. Ein junger, ſchwarzgekleideter Menſch

fiel ihm in den Zuͤgel ſeines Pferdes, und der Mo⸗

narch war genoͤthigt, Halt zu machen. Ich hatte anfangs die Abſicht gehabt, dieſen Ungluͤcklichen weit aus dem Wege zu gehen; doch jezt eilte ich raſch her⸗ bei, und bemerkte an Napoleon eine zuckende Bewe⸗ gung der Lippen, deren aͤngſtlicher Ausdruck zeigte, daß die Furcht ſelbſt den zu erreichen vermochte, vor dem die Welt zu zittern pflegte. Doch mit einer be⸗ wundernswuͤrbigen Selbſtbeherrſchung brachte er ſo⸗ gleich wieder ſein Geſicht in die vorige Faſſung; die Heiterkeit gläͤnzte wieder auf demſelben, ein Laͤcheln zog ſich freundlich um ſeinen Mund, und in dem gleichguͤltigſten Tone befahl er, den Unſinnigen ohne weitere Gewaltthätigkeit zu entwaffnen; worauf er langſam weiter ritt. Dieſer Unſinnige war niemand anders, als Eſtevan. Er hatte ſich durch ſein Genie berufen geglaubt, den Anmaßungen und Siegen des Kaiſers vermoͤge einer an ihn zu haltenden Anrede uͤber die unverjaͤhrbaren Rechte der Voͤlker eine andere Richtung zu geben.

Der junge Student, der immer darauf rechnete,