310 daſelbſt an der Seite des Mannes, der alle Könige unter ſeiner Botmaͤßigkeit hatte, und doch laſtete ſelbſt da noch ein unerbittliches Gefuͤhl von Ver⸗ dammniß und Ungluͤck auf mir.
Ich machte mich nun nach der alten Hauptſtadt von Kaſtilien auf. Eure erſten Kolonnen hatten be⸗ reits ihre Adler auf den Mauern derſelben aufge⸗ pflanzt. Die ganze Heeresabtheilung Alonſo's ſuchte jenſeit des Arlanzon auf den Gebirgen einen Zufluchtsort, welche das prachtvolle Karthaͤuſerklo⸗ ſtee Miraflores ſchmuͤckt. Die Kloͤſter ſind bei uns in Spanien die Schloͤſſer des Landes.
Ich erreichte die Heerſtraße wieder. Ein ver⸗
ſtuͤmmelter Knabe, der ſich an die Ruͤckſeite eines eben nicht tiefen Grabens anlehnte, ſuchte ſtehend zu verſcheiden. Die ſpaniſchen Kanonenkugeln hat⸗ ten ihm blos die Haͤlfte ſeines Leibes gelaſſen, allein, obwohl er in ſeinem Blute ſchwamm, ſuchte oͤr den⸗ noch unerſchrocken aus einer Drommel, an die er noch immer durch ſeinen Trageriemen gefeſſelt war, Doͤne hervorzulocken. Die vorbeiziehenden Truppen ſahen ihn bisweilen voll Mitleid, noch oͤfter mit gleichguͤl⸗ tigen Augen an. Ich erkannte in ihm den Sohn Bertrands wieder, und gab ihm mein Bedauern zu erkennen.„Das iſt mir ganz gleich,“ erwiederte er mir in ſeiner einfachen Sprache, denn er zweifelte keinen Augenblick daran, daß er unter die Zahl der Helden gehore;„das iſt mir ganz gleich, habe ich doch noch eine mitgemacht; es lebe der Kaiſer!“


