Teil eines Werkes 
Dritter Band (1825)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

und kletterte ſo eben einen mir ganz unbekannten Gipfel, vielleicht den hoͤchſten der ganzen Gebirgs⸗ kette, hinan, als ich auf einmal durch eine Verſchan⸗ zung aufgehalten wurde, die ſich um dieſe, hoͤchſtens den Raubvoͤgeln zugaͤngliche Spitze herumzieht.

Verſchanzungen, großer Gott! in einer Hoͤhe, zu welcher der Menſch kaum emporzuklimmen vermag! So dringt denn alſo der Krieg und ſeine Wuth uͤber⸗ all hin, ſelbſt dahin, wo unſer Fuß nicht einmal hin⸗ zugelangen im Stande iſt! Ganz andere Donner, als die, welche ich jezt in der Ferne murmeln hoͤrte, waren über dieſe Wolkenregion dahingerollt; ein großer Feldherr hatte im Sommer des Jahres 1813 mit einem andern beruͤhmten Feldherrn um dieſe Grenzlinie geſtritten, und ſelbſt auf der Stelle, wo ich ſtand, hatte ein Krieger, der ſpaͤter auf der Buͤhne der Volksredner glaͤnzen ſollte, mitten in un⸗ ſerer Ungluͤckszeit den Siegerkranz des Kampfes er⸗ rungen⸗

Der Orkan zerſtreute endlich die unter meinen Fuͤßen hinziehenden Wolken, indem er ſie uͤber die Pyrenaͤen hinuͤber jagte; und nun eroͤffnete ſich meinen Blicken eine unermeßliche Ausſicht. Ich hatte jezt nicht mehr blos Ainhoa zu meinen Fuͤßen, ſondern auch noch die Dreikronen⸗Spitze, die des Rhune, ferner Irun, Fontarabia, Saint Jean de Luz, Bayonne, nebſt allen den dazwiſchen liegenden Thaͤlern und Bergen, die ſich fernhin in der uner⸗ meßlichen Weite zwiſchen dem Ocean, deſſen Wogen⸗ brandung ich zu meinen Fuͤßen zu vernehmen glaubte,