281 Die Schweſter Alonſo's wird ſich auf Erden nichts weiter wuͤnſchen, ſobald ſeine Maria fuͤr ihn nur etwas von dem iſt, was er fuͤr ſie iſt.“
Dieſer Brief ließ auf einmal vor meinen Augen ein unerwartetes Licht aufgehen. Maria, dieſe heiß⸗ geliebte Maria war mir wiedergegeben; ich fand dieſen Genuß des Lebens wieder, deſſen Beiſtand uns ſo ſtark macht gegen alle Widerwaͤrtigkeiten des Lebens, und meine Phantaſie, die ſtets bereit iſt, meine Freuden ſo wie meine Leiden zu erhoͤhen, ſagte mir, daß ich ein glücklicheres Loos zoge, als alle uͤbrigen Menſchen, wenn ich mein Daſein an eine ſo innige und reine Zu⸗ neigung knuͤpfte.
Die Welt erſchien mir nun ſogleich in einem ganz neuen Lichte. Alles zeigte ſich meinen Blicken in der Farbe der Hoffnung, ſogar die Gefahren des Vater⸗ landes. Ich ſah vor mir einen Wirkungskreis ſich ausbreiten, in welchem mir die Blicke der edelſten der Frauen folgen wuͤrden, und ſo giengen denn die ehr⸗ geizigen Wuͤnſche unſerer Kindheit vielleicht noch der⸗ einſt in Erfuͤllung, wie es ja bereits mit dem Traume der Fall geweſen war, der mir meine holbe Freundin als einen Schutzengel dargeſtellt hatte, als eine innere Göotterſtimme, deren Eingebungen meine Beſtimmung veredeln, deren Beifall mir zu meinem Gluͤck genugen ſollte. Wenn das Wagſpiel der ganz außerordentli⸗ chen Zukunft, die ich herannahen ſah, einerſeits der Thätigkeit meiner getroͤſteten Einbildungskraft zuſagte, ſo hatte andererſeits meine Vaterlandsliebe nichts da⸗ gegen. Ein heftiger Stoß war nothwendig, um die


