Ich verſuchte, ihr einen Troſt einzufloͤßen, den ich ſelber nicht hatte. Dankbar erwiederte ſie meine zärtliche Sorgfalt. Das Gefuͤhl, das ſie mir einge⸗ floßt, und das durch jene innigen Mittheilungen mit jedem Augenblick tiefer in mein Herz gepragt wurde, ward nun das erſte Beduͤrfniß und die Seele meines Lebens.
Sobald ſie nur wieder einigen Lebensmuth faßte, kamen unſere Geſpraͤche immer wieder auf meinen Bru⸗ der zuruͤck. Obwohl keine Hoffnung, ja ich kann ſagen kein Wunſch, ſich in meine zaͤrtliche Bewunde⸗ rung miſchte, ſo ward ich dennoch traurig, wenn ich die Graͤfin bisweilen ſagen hoͤrte, indem ſie den ver⸗ raͤtheriſchen Ausbruch ihrer Empfindungen zu unter⸗ druͤcken ſuchte:„Ach, bisher hatte ich mit der Liebe blos geſpielt; allein ich fuͤhle jetzt, es iſt fur meine Ruhe ein großes Gluͤck, daß Alonſo gegenwaͤrtig zwei⸗ tauſend Seemeilen von uns ſeine Tapferkeit an den Tag legt.“ Mit einem gluͤhenden und ſtarren Blick fugte ſie dann hinzu:„Ich wuͤrde bis an das Ende der Erde vor einem Manne, wie er iſt, fliehen, wenn ich das Ungluck haͤtte, ihn zu lieben.“
Der Hof waͤhlte jezt San Lorenzo zu ſeinem Auf⸗ enthalt. Einer von den Herren unſerer Monarchie, der noch ſehr jung, aber von einem duͤſtern und hoch⸗ muͤthigen Anſehn war, trat einſt unangemeldet zu ihr herein. Matea ward bei ſeinem Anblick heftig bewegt, und rief:„Biſt du es, Comthur? Hat dir die Markiſin alſo erlaubt, zu mir zu kommen, um mich ſterben zu ſehen?“ Die Vorwuͤrfe der Graͤfin, ſo


