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Der König ſprang auf.„Das— das, das ſind—“ ſtotterte er wüthend—
„Die Epigramme Friedrich des Großen,“ antwortete Kaunitz.
„Keinen Herkules peitſcht,“ wiederholte Ludwig XV.
Peitſcht des Steuerpächters Nichte,“ half der Graf dem königlichen Gedächtniſſe nach.
„Oh! ich werde ihm Antwort geben!“ ſagte Frau von Pompadour heftig.
„Auf Beleidigungen giebt es nur eine Antwort!“ entgegnete Kaunitz.
„Einen Degenſtoß,“ rief Ludwig XV.
„Der Zweikampf der Könige und der Völker iſt der Krieg,“ ſagte Kaunit.
„Graf Kaunitz!“ ſprach Ludwig ſtolz.„Es ent⸗ ſcheidet doch die Staatsklugheit in Verſailles,— Liebes⸗ Briefe werden kein Bündniß löſen oder ſchließen!“
„Aber Verſe!“ flüſterte die Fürſtin Kaunitz zu.
„Sie kehren nach Wien zurück,“ fuhr der König fort, „grüßen Sie Maria Thereſia, unſere Verbündete!“
Ein Sturm von Stimmen und Leidenſchaften wogte nach dieſen Worten durch den Saal.
„Marquiſe!“ ſchloß der König,„Sie werden ein neues Miniſterium bilden und dem preußiſchen Geſandten ſeine Päſſe ſenden.“
„Unſer Heer befehligt der tapfere Herzog von Richelieu,“ ſagte Frau von Pompadour mit einem triumphirenden Blick auf ihn. Dann winkte ſie Bernis:„Folgen Sie uns, mein Herr Miniſter!“


