Teil eines Werkes 
2. Buch (1873) Die Epigramme Friedrich des Großen / von Sacher-Masoch
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Ich erzähle einen kleinen Roman, ſagte die Fürſtin.

Roman, ſehr gut, ſtimmte Ludwig XV. bei.

Auch ich möchte Ihre Geduld in Anſpruch nehmen, unterbrach Gabriele,aber ich wage es nicht, nach dem Roman der Fürſtin, nach den Verſen des Grafen Kaunitz.

Beginnen Sie alſo, gebot die Bohnenkönigin.

Ich bin neugierig, ſprach der König.

Elegien, Sire, bemerkte Kaunitz.

Eine Reiſebeſchreibung, rief Gabriele.

Reiſt man aus Unterhaltung oder aus Wißbegierde? fragte der König.

Heut zu Tage reiſt man aus Liebe, antwortete Gabriele mit lachender Bosheit.

Eine lebhafte Bewegung der Geſellſchaft folgte ihren Worten. Der König ſah Gabriele befremdet an.

Ein König, fuhr dieſe fort,wo er regiert, habe ich vergeſſen, alſo ein König, der nicht regiert.

O! rief Ludwig überraſcht.

Verliebt ſich. In wen, das habe ich wiederum vergeſſen. Wer kann ſich Alle merken, in die er ſich verliebt

Die Geſellſchaft wurde unruhig.

Wirklich, ſprach der König.

Er will aus Liebe reiſen, erzählte Gabriele.

Er reiſt aber nicht, unterbrach Kaunitz.

Nein, eine neue Liebe läßt ihn nicht reiſen, fuhr ſie fort,aber ach! die neue Geliebte reiſt aus Liebe.

Ludwig XV. ſtand lebhaft auf und ſah die Ruſſin an. Sie erzählen uns ein Märchen! ſprach er.