Xl.
Die bevorſtehende Aufführung des Catilina auf könig⸗ liche Koſten hielt Paris in Aufregung. Schon fanden die Proben ſtatt. Crebillon's Name war auf allen Lippen. Die Freunde Voltaire's fühlten ſich unbehaglich. Er ſelbſt ſchien unbekümmert. An dem Vorabende der Aufführung, während ſich an allen Straßenecken Gruppen bildeten, welche den Theaterzettel von Catilina laſen, ſuchte der Herzog von Richelieu den Dichter des Mahomed auf. Er fand ihn an ſeinem Schreibtiſche behaglich mit einem Hefte unleſerlich geſchriebener Verſe beſchäftigt.
„Was machen Sie?“ fragte der galante Herzog den berühmten Freund.
„Ich waſche die ſchmuzige Wäſche des Königs von Preußen,“ antwortete Voltaire.
„Wie ſoll ich das verſtehen?“
„Ich corrigire ſeine Gedichte.“
„Sie ſind heiter!“ ſagte Richelieu.
„Wird nicht morgen Catilina aufgeführt?“
„Sie erwarten alſo von dieſer Vorſtellung Ihren Triumph?“
„Etwas dergleichen,“ erwiederte Voltaire.„Man in⸗ triguirt gegen mich, der König findet keinen Geſchmack an mir, und die Marquiſe von Pompadour findet Geſchmack an dem Grafen Kaunitz. Das iſt Alles. Ich werde morgen einige Feinde im Parterre haben, ſie werden Beifall klat⸗ ſchen, den guten Geſchmack herausfordern, und— Nun das Publikum iſt wie eine Schlange, es ziſcht ſein. an, ehe es daſſelbe verſchlingt.“


