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ſie kennt keine Schranke, nichts iſt ihr heilig, nichts ſchüch⸗ tert ſie ein. Voltaire ſoll mir büßen. Ich komme ihm zuvor, Catilina ſoll aufgeführt werden, Catilina ſoll gefallen.“
„Hier haben wir Friede geſchloſſen,“ ſprach Kaunitz, „aber ich erkläre Ihnen noch einmal den Krieg. Dies Mal gilt es Quesnay's Steuerfyſtem.“
Die Marquiſe lachte.„Sie ſind koſtbar. Ihre Liebes⸗ werbung beginnt mit einem Fußfall und endet mit dem Steuerbogen.“
„Ich könnte Ihnen keinen überzeugenderen Beweis meiner Neigung geben;“ fuhr der Graf fort,„ſeit ich Frank⸗ reich kenne, beſteht die Finanzwiſſenſchaft dieſes Landes darin, die Einkünfte des Königs und damit Ihre Einkünfte zu vergrößern. Man hat darüber vergeſſen, daß dieſelben nur mit dem Reichthume des Volkes ſteigen und fallen können.“
„Sie erſchrecken mich nicht,“ erwiederte die Marquiſe, „ich fürchte mich vor dem Volke nicht.“
„Auch nicht vor dem Volke, das nichts mehr zahlen kann?“
Die Marquiſe ſchwieg betroffen.
Kaunitz fuhr fort:„Sie werden bald nur die Wahl haben, Ihre Einkünfte fühlbar vermindert oder anſehnlich geſteigert zu ſehen.“
„Wie das Letztere?“
„Durch Quesnay's Syſtem. Die Idee, die in dem⸗ ſelben ruht, iſt eine freie, menſchliche, volksfreundliche, und doch dient ſie unter den gegebenen Verhältniſſen gerade dem Königthume, am meiſten Ihnen ſelbſt. Ich verſtehe gar nicht, wie man ſich derſelben ſo lange verſchließen


