174
Majeſtät hier zu treffen“, entgegnete die Auerſperg, während der Kaiſer ihre Hand galant an die Lippen führte.
Frau Deckermann war mehr todt als lebendig, ſie ſtarrte den Monarchen ſprachlos an, während Lina ihr Herz bis zum Halſe hinauf klopfen fühlte.
Der Präſident, in Angſtſchweiß gebadet, blickte mit gefalteten Händen gegen den Himmel, als ob er ſich und die Keuſchheitscommiſſion dem Schutze deſ⸗ ſelben empfehlen wollte
„Sie wohnt hier recht hübſch, Madame“, wendete ſich der Monarch zu Frau Deckermann, welche noch immer kein Wort hervorbrachte, dafür aber einen Knir machte, wie wenn ſie in die Erde ſinken wollte.
„Aber ein wenig beſchränkt“, ſprach die Fürſtin mit einem bedeutſamen Blick auf ihren kaiſerlichen Anbeter.
„Es ſcheint“, fügte dieſer hinzu,„hat ſie nur dies eine Zimmer?“
„Zu dienen, kaiſerliche Majeſtät“, antwortete Lina.
„Hm!“ machte der Kaiſer,„aber da ließe ſich doch abhelfen, wenn Sie, ſchöne Fürſtin, allenfalls das hübſche, brave Mädchen in ihren Schutz nehmen.“
„Wir ſprechen noch davon“, meinte die Auerſperg.


