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Tugend zu wachen. Sie iſt ein braves Frauenzimmer, aber es iſt nicht genug, daß Sie brav iſt, Sie ſoll auch brav bleiben.“
„Ich hoffe—“
„Was hoffen“, unterbrach der Tugendhüter das Mädchen,„wir wollen ſicher gehen, Sie ſoll hier in Wien gleichſam als ein Muſter daſtehen für den gan⸗ zen Bürgerſtand. Das iſt meine Sache.“
„Mein Gott, ich verſtehe Sie nicht“, ſtammelte das Mädchen.
„Damit Sie nicht in Verſuchung geführt wird durch Pracht und Luxus, Mademviſelle Lina“ fuhr Baron Handl fort,„denn der Luxus hat ſchon man⸗ ches brave Frauenzimmer auf Abwege geführt, werde ich Ihr ſelbſt ein feines Quartierchen nehmen auf dem Kohlmarkt oder Graben und es einrichten wie für eine Prinzeſſin und Kleider ſoll Sie haben, alles nach der Pariſer Mode— und jeden Abend will ich Sie beſuchen, Mademviſelle Lina, um Sie in Ihren Grund⸗ ſätzen zu beſtärken.“
„Herr Baron“, erwiderte Lina feſt und ruhig, obwohl ihr ſchönes Geſichtchen von der dunklen Röthe des Zornes flammte,„ich brauche Niemand, der meine Rechtſchaffenheit bewacht, ich bin Gott ſei Dank bis jetzt ordentlich geweſen—“


