Teil eines Werkes 
2. Band (1876) Novellen
Entstehung
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Frohen Muthes eilt Lina Deckermann nun zu der Gräfin Althahn und liefert das Sacktuch ab Sie

wird hier nur von der Kammerfrau empfangen, aber

dieſe beglückt ſie mit der Zufriedenheit ihrer Gebieterin und dem Befehle, ſich ſogleich bei der Fürſtin Auer⸗ ſperg, der einflußreichen Hofdame der Kaiſerin, in der Hofburg einzufinden, wo neue Beſtellungen ihrer fleißi⸗ gen Hände harren.

Geſchäftig trippelte Blondchen die Treppe hinab und ſteht ſchon wenige Minuten ſpäter im Vorzimmer der Fürſtin, es iſt Niemand da um ſie zu melden, und ſo hört ſie, gegen ihren Willen, ein Geſpräch, das in dem anſtoßenden Boudvir geführt wurde.

Es ſind zwei Stimmen, eine ſcharfe männliche und eine tief melodiſche weibliche, welche mit einander zu ſtreiten ſcheinen.

„Sie zürnen mir“, ſagt die männliche Stimme, „iſt dies der Lohn meiner Liebe, meiner Anbetung?“

„Ich beſchwöre Sie, verlaſſen Sje mich auf der Stelle“, flehte die weibliche Stimme,„Sie machen mich unglücklich, denken Sie doch an die Eiferſucht der Kaiſerin, wenn ſie ahnen würde, daß Sie hier ſind, daß Sie in mein Zimmer dringen, während ich bei der Toilette bin, wenn ſie uns ſo fände, allein und mich in dieſem Negligé.“