Druckschrift 
Salizische Geschichten : Novellen / von Sacher-Masoch
Entstehung
Einzelbild herunterladen

233

ſchloß die Hand, und gab mir den Ring nicht mehr zurück.

Grauen erfaßte mich, ich wich zurück und wäre faſt die Treppe hinab geſtürzt nach rückwärts, doch faßte ich mich noch einmal und ſagte laut zu mir: ein Spiel der Phantaſie, eine Gaukelei des Mondes, weiter nichts.

Die Wölbung gab mir meine Worte zurück, aber ſpöttiſch, wie mir ſchien und mit einem Tone, der nicht der meine war. Ich trat noch einmal zu dem ſchönen Weibe hin und wirklich hielt ſie mir ihre weiße Hand mit göttlicher Anmuth offen hin wie vordem und ich ſah an ihrem Finger den goldenen Reif. Noch ein⸗ mal verſuchte ich ihr ihn zu entreißen, aber ſie ſchloß von neuem die Hand und als ich Gewalt gebrauchen wollte, fühlte ich die marmornen Finger zur Fauſt ge⸗ ballt zwiſchen meinen Händen. Es durchſchauerte mich⸗

Ich weiß nicht, wie ich aus dem Saale, wie ich aus dem Schloſſe gekommen bin. Mir kehrte erſt die Beſinnung wieder als der Morgenwind mir eiſig in die Wangen ſchnitt, aber das geſpenſtiſche Weib ſchien mir zu folgen, ich ſah es vom Frühroth zart angehaucht in einer Wolke ſtehen, die über den Teich zog, und ſah noch unweit meines Edelhofes ihren ſchönen weißen Leib durch die ſchwarzen Tannen ſchimmern. Ich ſehe