Drittes Kapitel.
W. Du toller Wicht, geſteh' nur offen, Man hat Dich auf manchem Fehl betroffen? V. Ja wol; doch macht' ich ihn wieder gut. Gothe.
Auf einem ſanft anſteigenden, von einem ſchattigen Eichenwaͤldchen umkraͤnzten Huͤgel lag Schloß Rußberg, die Beſitzung des Grafen von Waldſees. Aus einer bunt durcheinander geſchobenen Maſſe von ſpitzen Giebeln, lan⸗ gen und hohen Daͤchern, Galerien und maͤchtigen Schorn⸗ ſteinen ragte ein dicker unfoͤrmlicher Thurm empor, deſſen krenelirte Zimmer und geſchwaͤrzte Mauern den allein noch uͤbrig gebliebenen Reſt einer mittelalterlichen Feudal⸗ burg bildeten, welche in grauer Vorzeit, man will wiſſen im 11. oder 12. Jahrhunderte, den Raum des noch heute bewohnten, kurz nach dem dreißigjaͤhrigen Kriege erbauten Schloſſes einnahm. An der Vorderſeite des Huͤgels ſchlaͤn⸗ gelte ſich der Fahrweg bis zu dem hohen Thore in der Vorderfronte hinauf, die hintere Abdachung aber fiel ſteil und in Geſtalt einer nackten Felswand nach dem Lechſtrom ab, der ſeine klare, langſame Fluth durch eine reizende, im Schmucke friſcher Wieſen und uͤppiger Saatfelder prangende Landſchaft hinwaͤlzte, in welcher friedliche Doͤr⸗ fer, Meiereien und der ſpitze Thurm manches Gottes⸗


