Teil eines Werkes 
1. Theil (1848)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6

ten ſie vergnuͤgt vor ſich hin und fuͤhlten ſich ausneh⸗ mend bequem. Aus demſelben Grunde dachten ſie nur ſelten daran, Landſtraßen oder Chauſſeen zu bauen oder zu verbeſſern. Daheim war es ja ſo behaglich und gemuͤthlich, daß nur ein Narr oder ein von den drin⸗ gendſten Geſchaͤften Geplagter ſich der Marter des Reiſens unterzog, und fuͤr beide Qualitaͤten waren die Straßen immer gut genug, trotz der erſichtlichen Gefahr, Hals und Beine zu brechen, oder in einem der tauſend Löcher und Kothpfuͤtzen, mit denen der Weg ſtets bedeckt war, bis uͤber die Achſen einzuſinken und ein Paar Stunden ſitzen zu bleiben. Niemand wird es daher Wunder nehmen, wenn wir ihn verſichern, daß die Landſtraße von Muͤnchen nach Donauwerth, auf welcher die erwaͤhnte Kutſche langſam und melancholiſch hinſchwankte, ſich in dem allerentſetzlichſten Zuſtande befand, der durch die Fin⸗ ſterniß der Nacht und den eiſigen Spruͤhregen fuͤr die armen Reiſenden noch an Schreckniſſen gewann. Dieſe ſelbſt ſchienen zu ſchlafen, obwol dies bei dem unauf hoͤrlichen Stoßen und Ruͤtteln ein ſchwieriges Unterneh⸗ men geweſen waͤre; jedenfalls waren ſie hoͤchſt ſchweigſam, nicht ein einziges Mal wurden die Fenſtervorhaͤnge zu⸗ ruͤckgezogen, und ſelbſt als der Kutſcher einmal ſtill hielt, um den Weg, der jetzt in einen dichten Eichenwald ein⸗ bog, zu ſondiren, ertoͤnte kein Wort, keine Frage. Der Roſſelenker war nach und nach uͤbler Laune geworden und begann zu fluchen wie ein Landsknecht, als er jetzt die angenehme Entdeckung machte, daß der Weg durch