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Suͤden zugefuͤhrt. Alles Geld ſſoß in die Mauern der Staͤdte und ihre Macht ſchuͤtzte ſie gegen den neidiſchen Adel.
So lange der Adel frei und unabhaͤngig auf ſeinem Gute gelebt, und ſich ſeine Beduͤrfniſſe von ſeinen Bauern verſchafft hatte, ſo lange er ſich als Konig in ſeinem Gebiete betrachtet, und ungeſtraft Raͤubereien an den voruͤberziehenden Kaufleuten und ſeinen feind⸗ ſeligen Nachbaren ausgeuͤbt, weil er hirger den Mauern ſeiner Veſte jedem Angriff trotzte, druͤckte ihn ſeine Ar⸗ muth weniger. Aber als mit dem vermehrten Luxus ſich ſeine Beduͤrfniſſe vermehrten, und ſein weniges Geld in die verhaßten Staͤdte floß, als ihm ſeine Ve⸗ ſten gegen die Schießgewehre keine Sicherheit mehr verſchafften, und der Landfrieden ſeine Gewaltthaͤtigkeit und Raͤubereien verhinderte„begann er ſeine Armuth zu fuͤhlen. Die Ritter, die ihr altes Recht des Staͤr⸗ kern zu erhalten ſuchten, wie Franz von Sickingen, Goͤtz von Berlichingen und Andere, bewieſen durch ih⸗ ren Untergang, daß eine neue Ordnung der Dinge ein⸗ getreten ſey. Da alſo dem Adel die Huͤlfsquellen ver⸗ ſiegt waren, die er ſich fruͤher zu eröffnen gewußt, ſo lag ſeine Hand ſchwer auf dem Bauernſtand, und er ſuchte die Mittel zur Befriedigung ſeiner Beduͤrfniſſe von ſeinen Unterthanen zu erpreſſen. So kam es, daß
das Loos dieſer armen Leute an dem Ende des Mittel⸗
alters, wo die Strahlen einer beſſern Cultur die Fin⸗
ſterniß zu erleuchten anfingen, bedauernswuͤrdiger wurde,
als es waͤhrend der tiefſten Nacht deſſelben geweſen war. A 2


