Einleitung.
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It keiner Zeit ſind in den germaniſchen Laͤndern die verſchiedenen Staͤnde der menſchlichen Geſellſchaft ſtren⸗ ger von einander geſchieden geweſen, als im Mittelal⸗ ter, obgleich alle als freie Leute aus ihren Waͤldern her⸗ vorgingen, und die Urahnen manches Edelmanns und Ritters denen ſeines niedrigſten Bauern ebenbuͤrtig ge⸗
weſen waren. Die urſache der Entſtehung von zwei
Staͤnden, von denen der eine auf den andern mit der tiefſten Verachtung herabſah, lag in dem Aufkommen und in der Ausbildung des Feudalweſens. Da die Könige der Franken zu ihren beſtaͤndigen Kriegen die Einwilligung des Volks bedurften und nicht immer er⸗ hielten, ſo ſuchten ſie ſich von dieſer Abhaͤngigkeit da⸗ durch zu befreien, daß ſie von dem eroberten Lande Theile des ihnen zufallenden Gebiets als Lehen an
einzelne Freie vertheilten, und ſie verpflichteten, ihnen
dafuͤr die Heeresfolge zu leiſten. Auf dieſe Weiſe bil⸗ deten ſie ſich eine ſtehende Armee, weil dieſe belehnten Vaſallen in den Krieg ziehen mußten, oder im Weige⸗ rungsfalle ihre Guͤter verloren. Das Anſehen der Va⸗
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