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In Mitten der Nordsee : Erzählung für die Jugend / von Marie Roskowska
Entstehung
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65 beiden gänzlich Durchnäßten und völlig Erſchöpften, und wie ſteigerte ſich ihr Schreck, als ſie die furchtbare Gefahr er⸗ fuhren, in welcher Beide geſchwebt. Wie lebhaft war aber auch ihr Dank gegen den Allmächtigen, der im letzten Augen⸗ blick Hilfe geſandt hatte!

Von den ausgeſtandenen Strapazen und der Todesangſt durchaus entkräftet, vermochten die Geretteten die Werfte nur mit Hilfe ihrer Angehörigen zu erſteigen. Mit welcher Sorgfalt bemühten ſich nun Alle, ſchnell herbeizuſchaffen, was irgend nöthig war! Wie weich und warm wurden die Verunglückten gebettet, wie ſchnell war Thee bereitet, mit welcher Zärtlichkeit wurde geforſcht, was etwa noch zur Er⸗ höhung der Bequemlichkeit herbeigeſchafft werden könne!

Heine war an allen Gliedern wie zerſchlagen, aber eine unbeſchreibliche Glückſeligkeit erfüllte ſein Herz. Als die Mutter ihm noch das Kiſſen glatt ſtrich und dabei eine Freudenthräne auf ſein Geſicht fiel, ergriff er dieſe Hand, die, obgleich rauh von harter Arbeit, ihn doch ſo ſanft und weich anzufaſſen wußte, wie keine andere, und benetzte ſie mit ſeinen Thränen. Wie ſüß waren dieſe gegen die bittren Zähren, welche er draußen in dem öden Ocean geweint, als der Tod in ſchrecklicher Geſtalt immer näher an ihn heran kroch!

Als Henneke ſeinen Sohn unter der ſorgſamen Pflege von Mutter, Großmutter und Schweſter ſah, ging er zu dem Nachbarn hinüber, um zu fragen, ob er Frau Rikmar irgend einen Beiſtand leiſten könne. Sie, wie ihre Schweſter, war eifrig und ſorgenvoll um ihren Mann beſchäftigt, der ſprach⸗ und bewußtlos dalag und faſt einer Leiche glich.

Ach, ſieh nur Mutter, ſagte der kleine Detlev, welcher In Mitten der Nordſee. 5

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