Drittes Kapitel.
Einſt ſtand Detlev am Sonntag Vormittag an der Werfte des Nachbarn, ſchaute nach der Roſe hinauf und lauſchte dabei andächtig dem frommen Geſange der Familie. Die barſche Stimme ſeines Vates ſchreckte ihn auf; hurtig eilte er über den Balken und wäre in ſeiner Eile faſt herab⸗ geſtürzt.
„Dummer Junge!“ ſagte der Vater mürriſch.„Was ſtehſt du da und gaffſt und ſperrſt Augen und Mund auf? Das alberne, hochmüthige Volk drüben dünkt ſich auch Wun⸗ ders was mit ſeinem Geſinge und ſeiner Frömmigkeit und beſonders mit dem Dings da in den Töpfen auf dem Fenſter⸗ brett. Und du Narr biſt dahinter wie verſeſſen— ſchäme dich! Ich habe ganz andere Dinge geſehen, wie ſolche! Blumen mit ſo ſchönen Farben, daß ſie Einem faſt die Augen blendeten, ja, ſogar Blumen, die in der Luft herumflogen.“
„Ach, Vater!“ rief Detlev halb erſtaunt, halb entzückt.
„Ja, gewiß!“ fuhr Jener fort.„Es giebt Vögelchen, Schmetterlinge heißen ſie, die ſind nicht einmal ſo groß, wie die Hand deiner Schweſter, weiße, gelbe, braune und bunte. Die flattern herum von einer Blume zur andern, denn auf dem Lande drüben hinter den Deichen, da wachſen überall Blumen aus der Erde, wie bei uns Gras für die Schafe. Das ſieht ſich recht ſpaßig an, doch ſind die kleinen Knirpſe
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