22
und gelben Pünktchen in der Mitte. Aber wer beſchreibt Detlevs Entzücken darüber?!
Doch wie wurde die herrliche Blume auch gepflegt! Im⸗ mer, wenn es regnete, trug der Knabe den Scherben hinaus, fing auch wohl in einem andern Gefäß etwas Regenwaſſer auf, um ſie ſpäter zu begießen. Das Waſſer aus dem Sood (der Grube oder Eiſterne der Halligen), ſchmeckte von der Beimiſchung von Seewaſſer abſcheulich— damit durfte die
Blume nicht getränkt werden. Der Knabe dürſtete dann lie⸗
ber ſelber und gab ſeine ſpärliche Trinkration der Blume; ſeine Tante hatte ja beobachtet, daß Frau Henneke ihre ſchö⸗ nen Blumen nie mit dem Soodwaſſer begoß. Freilich koſtete das dieſer keine Entbehrung, denn ihr Mann ſorgte dafür, daß ſie vft ein Tönnchen friſches Waſſer vom Lande bekam.
Aber Detlev wurde auch für ſeine Aufopferung belohnt. Das Pflänzchen batte ſich verbreitetet, ſtatt der weißen Sterne prangten in dieſem Jahr daran rothe, gefüllte Blü⸗ then. Nie hat die reichſte Weihnachtsbeſcherung, vom blen⸗ denden Schimmer der Wachskerzen am Chriſtbaum beſtrahlt, einem Kinde ſo unbeſchreibliche Freude gemacht, wie Detlev ſein Tauſendſchönchen. Das kleine unſcheinbare Wieſenblüm⸗ chen erſetzte ihm einen Garten, die blumige Wieſe, das wo⸗ gende Kornfeld mit ſeinen blauen Cyanen und dem rothen Mohn, alles Dinge, die der Knabe auf dem dürren Eiland in der fluthenden Waſſerwüſte nicht kannte, für deren Schön⸗ heit unſre Kinder, die daran gewöhnt, ſo ſelten Sinn haben.


