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Polnische Mütter : historische Novelle / von M. Roskowska
Entstehung
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muth, das Eril und die Strapazen der Feldzüge. Jo⸗ ſepha harrte ſeiner mehrere Jahre mit beiſpielloſer Treue, als er aber mit Dziekonski nach der Heimath zurück⸗ kam, hatte ſie eben einem Verwalter auf den Gütern Palowski's ihre Hand gereicht. Janek nahm ſich das ſo zu Herzen, daß er Zeitlebens ledig und bei ſeinem Herrn blieb.

Die Generalin Dziekonska mied jeden Umgang, ſah ſelbſt ihren Neffen nicht gern, welcher nach ſeiner Heimkehr ihre Beſitzungen verwaltete. Stumm und thrä⸗ nenlos brütete ſie über ihrem Elend. Ihre treffliche Conſtitution widerſtand ſelbſt ihrem bittern Harm. Sie ſehnte den Tod herbei, allein ſie lebte lebte ein Jahr nach dem andern. Hand an ſich ſelber legen mochte ſie nicht mußte ſie doch die Herſtellung Polens abwarten. Ihr ſterbender Gatte hatte ihr ja geſagt, ſie werde die Erhebung des Vaterlandes ſehen. Dieſe Hoffnung ward zur fixren Idee, die ſie in ihrer Einſamkeit und Verzwei⸗ flung aufrecht erhielt. Eine Art Geiſteszerrüttung be⸗ mächtigte ſich ihrer allmälig; fanatiſcher Ruſſenhaß erfüllte ſie und mit glühender Begeiſterung prophezeihte ſie die Auferſtehung ihres Volkes.