239
ließ durch einige minder blutdürſtige Soldaten die Gene⸗ ralin aus dem Hauſe tragen. Dieſes war nämlich ſchon vom Feuer ergriffen und mußte in Kurzem zuſammen brechen. Frau Dzikonska wollte zurück und mit den Leich⸗ namen ihres Mannes und ihrer Tochter verbrennen. Der junge Ruſſe hielt ſie mit Gewalt zurück und ließ ſie eine Strecke weit fortbringen, damit es ihr nicht möglich ſei, ihren Vorſatz auszuführen.
Todte und Sterbende lagen in der Gaſſe und rings hörte man noch immer Stöhnen und Wehgeſchrei, unter⸗ miſcht mit Todesſeufzern und vergeblichem Flehen um Gnade; dazwiſchen tönte zuweilen das Krachen eines zu⸗ ſammenſtürzenden Hauſes oder der Knall eines Gewehres durch den dämmernden Morgen.
Endlich ließ man Frau Dziekonska los, und es ge⸗ ſchah zufällig an einer für ſie verhängnißvollen Stelle. Leichen lagen umher— Polen und Ruſſen; der Blick der unglücklichen Frau ſchweifte über ſie hin, indem ſie die dumpfe Vorſtellung hatte, wie glücklich ſie wäre, wenn der Tod ſich ihrer auch erbarmte. Plötzlich haftete ihr Auge an einem dieſer Gefallenen; ſie kniete neben ihm nieder und erhob ſein Haupt. Es war ein ſchöner Jünglingskopf mit einer klaffenden Wunde, von Blut überſtrömt; das edle Geſicht trug den Ausdruck des Zürnens, womit er


