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Die Eroberung Nischnois : eine Erzählung für die Jugend und ihre Freunde / von Marie Roskowska
Entstehung
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gen, und beſonders von den wilden Knaben, nicht geneckt, verſpottet oder mißhandelt wurde. Das Mädchen war un⸗ gefähr ſieben Jahre alt und ſein Geſicht, häßlich und dunkel, ſtach alſo ſehr ab von den hübſchen und zarten Zügen der andern Kinder. Es wurde darum Gtechan Tatach, ſchwarzer Ruß, genannt und von den Erwachſenen zurückgeſetzt, von den Kindern gequält; am Aergſten trieb dies der kleine Lipacha, Gtecham Tatachs Stiefbruder. Die einzige Perſon, welche die Kleine liebte, ihre Mutter, konnte ſie nicht ſchützen; ſie war auch eine Frau Vrems, der mehrere Weiber hatte, wie das bei den heidniſchen Kamtſchadalen häufig vorkam, aber ſie durfte wenig ſagen, denn ihres Mannes zweite Frau, Lipacha's Mutter, wußte ſich bei ihm mehr beliebt zu machen.

Was die Natur übrigens dem kleinen Mädchen an äuße⸗ rer Wohlgeſtalt verſagt, hatte ſie ihm an Verſtand zugelegt. Gtechan Tatach war über ihre Jahreklug, ja ſie wargeſcheidter, als manche ihrer erwachſenen Landsleute, darum konnte ſie die andere Frau ihres Vaters aber noch weniger leiden. Auch beſaß ſie ein gutes Herz, denn der Spott der Leute, wie die Zurück⸗ ſetzung, welche ſie ſelbſt von ihrem eignen Vater erfuhr, hatte ſie nicht boshaft und ſchadenfroh gemacht.

Ja, ſchönes Glück! antwortete Vrem auf die Bemer⸗ kung wegen des kniſternden Feuers.Mein großer grauer Leithund hat geſtern im Schlafe gebellt ich muß ihn er⸗ würgen!

Nach dem kamtſchatkiſchen Aberglauben galt es für das Vorzeichen eines großen Unglücks, wenn ein Hund im Schlafe bellte. Sein Herr mußte ihn entweder tödten oder wegſchen⸗ ken; dadurch entging er dem drohenden Unheil.