24 zwar während dieſer Zeit nicht, was man bei uns eine Er⸗ ziehung nennt, aber, wißbegierig und regen Geiſtes, ſah, hörte und lernte er unendlich mehr, wie irgend ein Anderer ſeines Volkes. Endlich ſtarb ſeine freundliche Herrin und ihr Mann, der ſich bis dahin wenig um ihn bekümmert hatte, verkaufte ihn an ſeinen Freund Simonowitſch, der grade als Gouverneur nach Kamtſchatka ging.
Indeß war Niſchnoi⸗Bſtrog, das auch, wie Werchnoi, am Kamtſchatka liegt, aber mehr als viertehalbhundert Werſte näher an der Mündung des Fluſſes, Sitz des Gou⸗ vernements geworden, und Alexei diente hier als Doll⸗ metſcher zwiſchen den Ruſſen und ſeinen Landsleuten. An die gütige Behandlung der Frau Axima gewöhnt, empörte ihn die Härte und der Uebermuth, womit ihm nun von Allen begegnet wurde, und er ſehnte ſich oft nach der Freiheit und dem Leben bei ſeinen Stamngenoſſen. Er fand jedoch keine Gelegenheit zur Flucht und ſuchte dieſelbe auch nicht mit dem Eifer und der Beharrlichkeit, welche immer findet; er wußte nicht, ob und wo die Verwandten ſeines Vaters leb⸗ ten, und ſcheute ſich bei ſeiner Jugend, zu Fremden ſeine Zuflucht zu nehmen. Ueberdies fürchtete er, entdeckt und zu⸗ rückgebracht zu werden.
Im Frühling hatten die Ruſſen einen Streifzug gegen die kuriliſchen Inſeln gemacht, deren Bewohner den Tribut verweigerten. Von dieſer Unternehmung hatten ſie den jungen Mann mitgebracht, der ſpäter bei ſeiner Taufe den Namen Feodor erhielt. Er war verwundet und litt viel, beſonders, da er ſogleich zu harter Arbeit angehalten wurde. Alexei empfand tiefes Mitleid mit ihm und obgleich es nicht in ſeiner


