Druckschrift 
Das Hünengrab : historische Erzählung / von Otto Roquette
Entstehung
Einzelbild herunterladen

17

zu ſcheuen. Auch ich geſtehe, daß ich dieſe ge⸗ waltigen und furchtbaren Richter in ihrem Treiben nicht ganz vertheidigen möchte. Die Religion ver⸗ bietet dergleichen Gewaltthat, die in den meiſten Fällen wie blutiger Mord ausſieht, und doch leben wir in einer Zeit, wo man dieſes Gericht billigen muß. Sagt ſelbſt, iſt es in unſern Tagen, wo, wenngleich der Kaiſer den Frieden geboten hat, doch weder kaiſerlicher noch päpſtlicher Befehl geachtet

wird, wo jeder zum Schwerdt greift, um ſeinen

Leidenſchaften zu genügen, wo überall noch die abſcheulichſten Gräuel ausgeübt werden, iſt es da nicht ein wahrer Segen, daß es eine Macht giebt,

vor der Alle zittern? Ihr Schrecken beſteht eben

darin, daß ſie im Verborgenen geht, daß ihre Theilnehmer unbekannt und doch überall in der Welt leben, daß ſie raſch bei der Hand ſind mit der Strafe, und daß ihnen ſelten ein Schuldiger entgeht. Wie aus der Erde gewachſen, ſind ſie plötzlich da und treffen den Schuldigen, und nie iſt es vorgekommen, daß ein Unſchuldiger ihnen zum Opfer gefallen wäre. Es liegt etwas Schau⸗ dererregendes in dieſer Ausübung der Gerechtigkeit, 2