noch immer eine heftige Leidenſchaft fuͤr ſeine Gemahlin, die jedoch von ihr nur noch aus Gewohnheit erwiedert wurde. Aber ſie ver— ſtand die Kunſt zu ſcheinen, als theile ſie die Empfindungen des Grafen, und erſchien ihm daher reizender als jemals. Anfangs zeigte ſie
nur leichte Launen, die ſich aber bald in ernſthaf⸗
tere verwandelten. Der Graf fuͤrchtete, ein ſo lei⸗ denſchaftliches Herz zu verwunden, und uͤberre⸗ 5 redete ſich, in ſeiner Blindheit, daß eine unbe⸗ grenzte Gefallſucht mit Ruhe und haͤuslichem Gluͤck nicht unvertraͤglich ſey. Er gab nach, und die glanzſuͤchtige Graͤfin uͤberließ ſich allen Thorheiten und Verkehrtheiten der großen Welt. Von den Maͤnnern bewundert, von den Frauen beneidet, die ſie ihrerſeits haßte und wieder beneidete, widmete ſie ihre ganze Sorg⸗ falt, und ſetzte ihren ganzen Ruhm darin, die Geſetzgeberin der Moden und die Richterin des guten Geſchmacks zu ſeyn. In Verſchwen⸗ dung geſtuͤrzt, verirrt in den Wirbeln des Leichtſinns, berauſcht von dem ihr geſtreuten Weihrauch, wurde ſie gleichguͤltig gegen den Tadel und unempfindlich gegen die Warnungen der oͤffentlichen Meinung. Alle Formen der
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