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kannte ich die ehemals ſchönen und reinen Zuge meines Freundes Don Manuel d'Alta⸗ monte. Der kurze Zeitraum von zehn Jah⸗ ren hatte ihn, ſelbſt in den Augen des Freundes, unkenntlich gemacht! So fand ich alſo das Weſen wieder, das ich bisher fuͤr das höchſte Ideal der männlichen Schön⸗ heit, der Herzensguͤte, der Tugend und des ſtandhaften Muthes gehalten hatte! Ich
fand es zum ſchrecklichſten Tode verurtheilt,
vergeſſen in der Tiefe eines Kerkers, ſterbend in Elend und Kummer! Aber meine Be⸗ muͤhungen, meine Sorgfalt, hatten meinen Freund gerettet; noch konnte er wieder zum Gluͤck und zum Genuß der Freundſchaft ge⸗ langen. Eine guͤtige Vorſehung hatte meine Schritte geleitet, und noch vermag ich mir keine Rechenſchaft von der geheimnißvollen Ahnung zu geben, die mich in einem ſter⸗ benden, ſelbſt von der gemeinſten Menſchen⸗ liebe verlaſſenen Gefangenen den Freund er⸗ rathen ließ. Die Empfindungen zu ſchildern,


