er weit gegen Norden den Horizont an ſeinen Enden röthlich flammen ſehen. Zuerſt meinte er, es ſei das Nordlicht. Später aber hörte er, daß es der Lichtſchein von London ſei.—
Er hatte nicht geglaubt, daß ſein Herz ſo klopfen würde bei dem Gedanken, London wieder zu ſehn. Aber es klopfte ihm mächtig, nun, da er in dem Wagen ſaß, welcher brauſend dahinflog— durch die ſommerlichen Fluren, durch den Abendfrieden der Landſchaft, an ſtil⸗ len Dörfern vorbei. Er hörte die Glocken läuten. Er hörte die Grillen zirpen, mitten durch das eintönige, bald über Wieſen laut hinhallende, bald in Hügelſchluchten dumpf gebrochene Rollen des Zuges. Er hörte die Bäume in Gruppen rauſchen. Die Dämmerung ward immer weiter und blauer. Bis auf einmal die erſten Lichter hindurchblitzten; die erſten Lichter von London.
Warum bangte ihm vor London und warum zog es ihn doch an, wie mit tauſend ſtarken Armen?... Ach, ſeines Lebens beſten Theil hat er ja dort verlebt,— die kurze Zeit der Täuſchung, die ſich niemals wieder erneut, den flüchtigen Traum, welcher auf der Grenz⸗ ſcheide der Jugend, dicht vor dem Erwachen gaukelt, und nach welchem der Kampf um das Leben beginnt. — Und doch war noch nicht Alles zu Ende; das ſagte ihm das raſche Klopfen des Herzens. Wenn er Annie wiederſähe— ach, das noch immer geliebte Mädchen, deren Bild an ſchmerzlichem Zauber gewonnen, ſeitdem in jener Nacht am Waſſer der letzte Hauch der Illuſiv⸗ nen von ihm hinweggewiſcht. Wenn er ihr begegnete — wenn er ihr noch einmal die Hand drückte— vielleicht


